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Format
Pressemitteilung
Date
28. August 2026

Deutschland droht 2026 erstmals sein Klimaziel zu verfehlen

Deutschlands Emissionen sind im ersten Halbjahr 2026 nur geringfügig um bis zu 7 Millionen Tonnen CO₂-Äq gesunken, wie eine erste Berechnung von Agora Energiewende auf Basis vorläufiger Daten zeigt. Zwar wirken sich Elektrifizierungserfolge beim Heizen und im Verkehr positiv auf die Klimabilanz aus, der größte Teil des Rückgangs ist jedoch krisen- und preisbedingt. Entwickeln sich die Emissionen weiter wie in den ersten sechs Monaten, wird Deutschland 2026 erstmals sein gesetzliches Klimaziel verfehlen.

Berlin, 28. August 2026. Bis Ende Juni hat Deutschland rund 327 Millionen Tonnen CO₂-Äq emittiert. Das entspricht einem Rückgang von 7 Millionen Tonnen CO₂-Äq beziehungsweise zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Haupttreiber des Rückgangs ist die erneute fossile Energiepreiskrise, ausgelöst durch die Blockade der Straße von Hormus seit März 2026 und die dadurch stark angestiegenen Öl- und Gaspreise. In der Folge nahm die Produktionstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe in der ersten Jahreshälfte ab, der Lkw-Verkehr auf deutschen Straßen ging leicht zurück und der Absatz von leichtem Heizöl  brach deutlich ein. Gleichzeitig erzielten Wärmepumpen und E-Autos neue Absatzrekorde mit positiver Auswirkung auf Deutschlands Klimabilanz. So erklärt etwa der zunehmende Anteil von Wärmepumpen, dass der Erdgasverbrauch in Gebäuden trotz kaltem Jahresbeginn und höherem Heizbedarf ungefähr konstant blieb. 

„Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise: Erneut wird die deutsche Wirtschaft schmerzhaft von fossilen Preisschocks getroffen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. „Gleichzeitig setzt sich mit den Verkaufsrekorden bei Wärmepumpen und E-Autos der Elektrifizierungstrend bei Verbraucherinnen und Verbrauchern fort. Diese Dynamik sollte die Bundesregierung nutzen und verstärken, indem sie ihre Energie- und Industriepolitik konsequent auf Erneuerbare Energien und Elektrifizierung ausrichtet. Nur so wird Deutschland unabhängiger von fossilen Energien und die Wirtschaft krisenfester.“

Die fossile Energiepreiskrise belastet die deutsche Volkswirtschaft

Die zusätzlichen Kosten für den Import von Rohöl und Erdgas seit Beginn des Konflikts Ende Februar belaufen sich laut Berechnung von Agora Energiewende auf rund 7,4 Milliarden Euro. Und das, obwohl Deutschlands Ölimporte im Vergleich zum Vorjahreszeitrum nur um zwei Prozent gestiegen sind und Erdgasimporte sogar um elf Prozent abgenommen haben. Höhere Ölpreise haben sich dabei unmittelbar niedergeschlagen, etwa an der Tankstelle. Beim Gas bestehen hingegen in der Regel längerfristige Lieferverträge und Preissteigerungen kommen zeitversetzt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an, auch auf der Heizrechnung. Als Reaktion auf die Preissteigerungen beim Tanken hatte die Bundesregierung im Mai und Juni einen Tankrabatt eingeführt.

„Der Tankrabatt zeigt die Schwächen von Deutschlands Krisenantwort: Eine teure Maßnahme, die nur kurz und wenig zielgerichtet wirkt. Schnelle Hilfen sollten vor allem an diejenigen fließen, die sie am dringendsten brauchen – zum Beispiel einkommensschwache Haushalte. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, die das Problem an der Wurzel packen“, sagt Bläsius. Wie Klimaschutzmaßnahmen gegen die Krise wirken, machen beispielsweise Spanien oder Frankreich vor: Spanien treibt massiv den Ausbau Erneuerbarer Energien voran, während Frankreich einen Plan für die beschleunigte Elektrifizierung vorgelegt hat. „In Deutschland gibt es Nachholbedarf, um Krisenantwort und Klimaschutz gut zu verbinden. Dabei kommt es darauf an, dass die Bundesregierung Planungssicherheit für klimafreundliche Investitionen für Haushalte, Unternehmen und Kommunen schafft, die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ausreichend absichert und Preissignale in Richtung Transformation ausrichtet.“

Deutschlands Emissionshöchstgrenze für 2026 ist laut Klimaschutzgesetz auf 625 Millionen Tonnen CO₂-Äq festgelegt. Die erste Agora-Hochrechnung deutet darauf hin, dass der CO₂-Ausstoß bei gleichbleibendem Minderungstempo lediglich auf 635 Millionen Tonnen CO₂-Äq sinken würde – was insgesamt einen Rückgang von 13 Millionen Tonnen CO₂-Äq gegenüber dem Jahr 2025 bedeuten würde. Um das Klimaziel 2030  erreichen zu können, sind jedoch jährlich Einsparungen in Höhe von rund 40 Millionen Tonnen CO₂ erforderlich. 

Die detaillierte Ausführung der Emissionsentwicklungen nach Sektoren, die treibenden Faktoren sowie ein ausführlicher Themenfokus auf die Folgen der fossilen Energiekrise für Deutschland steht kostenlos auf unserer Website zur Verfügung.

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