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3. Juni 2024

Agorameter Review: Der deutsche Strommix im Mai 2024

Analyse der Entwicklungen und Trends der deutschen Stromerzeugung im Mai 2024. In dieser Ausgabe außerdem ein Blick auf Must-Run-Kapazitäten in Deutschland.

 

Wie setzte sich der deutsche Strommix im Mai 2024 zusammen?

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Wie bereits in den in den ersten vier Monaten des Jahres 2024 erreichten Erneuerbare Energien auch im Mai mit 60 Prozent am Strommix wieder einen Monatsrekord. Windkraft- und Solaranlagen erzeugten mit einem Anteil von 45 Prozent deutlich mehr Strom als alle konventionellen Erzeugungsanlagen zusammen (40 Prozent). Allein Photovoltaik-Anlagen lieferten mit 9,4 Terawattstunden mehr Strom als deutsche Kohlekraftwerke (6 Terawattstunden).

Der Strommix mit weniger Kohle- und viel Ökostrom führte zu einem Rückgang der Emissionen aus deutschen Kraftwerken um 11 Prozent beziehungsweise 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten gegenüber dem Vorjahresmonat.

Wie hat sich die Stromerzeugung im Mai 2024 gegenüber dem Mai 2023 verändert?

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Bei der Photovoltaik machte sich der massive Zubau der letzten zwölf Monate mit einem Plus in der Erzeugung von 0,9 Terawattstunden beziehungsweise 10 Prozent bemerkbar. Das diesjährige Photovoltaik-Zubau-Ziel wurde mit 88 Gigawatt installierter Leistung bereits im Mai erreicht. Der schleppende Windausbau konnte ein schwächeres Windaufkommen hingegen nicht kompensieren, im Ergebnis sank die Windstromerzeugung um 0,5 Terawattstunden.

Was diesen Mai auffällt: Die Stromerzeugung aus Erdgas legte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,1 Terawattstunden zu. Zwar verteuerten sich die Erdgaspreise im Mai gegenüber den vorangegangenen Monaten. Grund dafür war die Wartungssaison in der norwegischen Gasinfrastruktur und die nachfragebedingt höheren LNG-Preise, ausgelöst durch den erhöhten Strombedarf für Kühlsysteme infolge der Hitzewelle in Asien. Dennoch blieb die Gasverstromung wie im Vorjahresmonat günstiger als die Kohleverstromung, denn der CO₂-Preis stieg nach bislang sehr niedrigen Preisen im Jahr 2024 im Mai auf durchschnittlich 72 Euro je Tonne CO₂ an. Hinzu kommt, dass die deutschen Kohlekraftwerke in einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem mangels Flexibilität nicht in gleichem Maße wie Gaskraftwerke auf starke untertägige Veränderungen der Erneuerbaren-Erzeugung und Preissignale reagieren können. Beides führte zu einem weiteren Erzeugungsrückgang in Kohlekraftwerken von 1,2 Terawattstunden im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat.

Themenschwerpunkt: Must-Run-Kapazitäten in Deutschland

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Übersteigt das Angebot die Nachfrage nach Strom, kommt es häufig zu negativen Strompreisen. Das Signal an Kraftwerksbetreiber: Es ist zu viel Strom im Netz, deshalb muss die Stromerzeugung gedrosselt oder eingespeichert werden – statt am Markt damit ein Verlustgeschäft zu machen.

Ein besonders augenfälliges Beispiel: Zwischen Weihnachten und dem ersten Weihnachtsfeiertag 2023 traten an 36 aufeinanderfolgenden Stunden negative Strompreise auf. Zahlreiche steuerbare Kraftwerke reagierten auf das Preissignal, aber es verblieb eine preisunelastische Erzeugung von 12,3 Gigawatt am Netz. Was sind das für Anlagen und wieso produzieren sie bei negativen Strompreisen weiter?

Es lassen sich drei Kategorien unterscheiden. Zur ersten Kategorie gehören Stromerzeuger, die Systemdienstleistungen erbringen: Um den sicheren Betrieb des Stromnetzes zu gewährleisten, sind verschiedene Systemdienstleistungen zur Spannungs- und Frequenzhaltung notwendig. Bisher werden diese Dienstleistungen überwiegend durch konventionelle Stromerzeuger erbracht, die daher mit einer Mindestkapazität am Netz sein müssen.  

Zur zweiten Kategorie gehören wärmegeführte Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen). Hier können Wärmebedarfe oder der Fördermechanismus des KWK-Gesetzes dazu führen, dass es sich für Erzeuger lohnt, Strom auch bei negativen Preisen zu produzieren.

Die dritte Kategorie von Kraftwerken sind durch Fehlanreize im Fördersystem gekennzeichnet. Diese Anlagenbetreiber haben trotz negativer Strompreise den Anreiz zu produzieren. Darunter fallen ein Großteil der 4,2 Gigawatt Biomasse-Anlagen, die auch bei negativen Strompreisen weiterhin Förderung erhalten, da sie vor der Regelungsneuerung (EEG2014 § 24 Abs. 3 (1)) zum 01.01.2016 ans Netz gegangen sind.

Beseitigung von Fehlanreizen im Markt

In einem flexiblen und erneuerbaren Stromsystem müssen die aktuellen Fehlanreize adressiert werden. Hierzu gehören Anreize für alle Erzeugungsanlagen, auf Strompreissignale zu reagieren. Daher ist die Anpassung im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) um die (aktuell 3-Stunden-)Regel, bei negativen Strompreisen keine Einspeise-Förderung auszuzahlen, richtig. Ebenso können KWK-Anlagen ihren Betrieb stromgeführt optimieren, um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden.

Auch die Regelenergie muss sukzessive klimaneutral werden. Bei zukünftigen Förderdesigns sollten etwa Erneuerbare Energien am Regelenergiemarkt wirtschaftlich attraktiv partizipieren können. Zudem werden auch Speicher für das kurzfristige Ausbalancieren des Stromnetzes immer wichtiger, wie das Beispiel Kalifornien zeigt.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Moritz Zackariat
Versionsnummer
1.0
Veröffentlichungsdatum

3. Juni 2024

Zitiervorschlag
Agora Energiewende (2024): Agorameter Review: Der deutsche Strommix im Mai 2024
Projekt
Diese Publikation wurde erstellt im Rahmen des Projektes Monatsauswertung Strommarkt Deutschland.

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