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Format
Analyse
Date
7. Januar 2022

Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2021

Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2022

Einleitung

Die Widersprüche in der Energie- und Klimapolitik treten 2021 offen zutage. Einerseits steigen die Ambitionen. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts verankert die Klimapolitik im Grundgesetz, die alte Bundesregierung hebt sofort das 2030-Minderungsziel auf 65 Prozent an und zieht Klimaneutralität auf 2045 vor. Die Zusagen bei der internationalen Klimakonferenz in Glasgow bringen die Welt erstmals in Richtung 1,8-Grad-Pfad.

Andererseits steigen die deutschen Emissionen um 33 Millionen Tonnen CO2-Äq an und der Anteil der Erneuerbaren Energien im Strommix fällt erstmals deutlich. Die Kohleverstromung erreicht global Rekordniveau, auch in Deutschland steigt sie um 21 Prozent. Gleichzeitig verschärft sich die Klimakrise: Die Überschwemmungen im Juli 2021 fordern in Deutschland über 180 Todesopfer, global häuft sich Extremwetter immer stärker.

Die neue Bundesregierung bekennt sich im Koalitions­vertrag zum 1,5-Grad-Ziel und will bis 2030 80 Prozent Erneuerbare am Stromverbrauch und 50 Prozent klimaneutrale Wärme erreichen. Nun müssen dringend Taten folgen, damit die 2030-Ziele auch erreicht werden können. Die Preiskrise an den Gasmärkten sollte dabei zusätzlicher Ansporn sein.

Kernergebnisse

  1. Die Treibhausgasemissionen steigen 2021 auf insgesamt 772 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, damit entfernt sich Deutschland vom Pfad zum 2030-Klimaziel. Durch den Anstieg um 33 Mio. t CO₂-Äq. müssen nun ab 2022 jährlich 37 Mio. t CO₂-Äq. eingespart werden.

    Der Emissionsanstieg geht vor allem auf einen wieder erhöhten Energieverbrauch im Zuge der wirtschaftlichen Teilerholung, einen kalten Winter mit steigendem Heizbedarf und einen höheren Anteil von klimaschädlichem Kohlestrom zurück. Bei weiterer wirtschaftlicher Erholung ist ein Anstieg der Emissionen auch 2022 wahrscheinlich.

  2. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch sinkt auf 42,3 Prozent und fällt damit zurück auf das Niveau von 2019.

    2021 werden erstmals seit 12 Jahren keine Windanlagen auf See zugebaut. Der Rekordwert von 45,6 Prozent im Jahr 2020 bleibt ein Strohfeuer, ausgelöst durch Sondereffekte: einen besonders niedrigen Stromverbrauch und ein ausgesprochen gutes Windjahr. Damit die Erneuerbaren bis 2030 80 Prozent des Stromverbrauchs decken können, braucht Deutschland sofort eine Ausbauoffensive der Photovoltaik und 2 Prozent der Landesfläche für Windenergie.

  3. Massive Preisanstiege bei fossilen Energien erschüttern 2021 die Energiemärkte. Der Erdgaspreis verelffacht sich und beschert der klimaschädlichen Steinkohle ein Comeback – trotz eines Rekordpreises von 89 Euro je Tonne CO₂ im europäischen Emissionshandel.

    Ab 2022 betreffen die Preisanstiege zunehmend Endkund:innen und machen soziale Ausgleichsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte erforderlich. Nur der konsequente Ausbau Erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz können nachhaltig vor derartigen Energiepreiskrisen schützen.

  4. 2021 legen der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, die steigenden Emissionen und hohe fossile Energiepreise den akuten Handlungsbedarf in der Energie- und Klimapolitik offen. Auf die verfassungsrechtlich gestützte Nachschärfung der Klimaziele muss nun die schnelle Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen folgen.

    Das für 2022 angekündigte Sofortprogramm der Bundesregierung entscheidet darüber, ob Deutschland seine 2030-Ziele einhalten kann. Zugleich muss sich die Bundesrepublik für ein ambitioniertes europäisches Fit-for-55-Paket einsetzen.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Fabian Hei,n Simon Müller, Thorsten Lenck
Publikationsnummer
247/01-A-2022/DE
Versionsnummer
1.1
Veröffentlichungsdatum

7. Januar 2022

Seitenzahl
72
Zitiervorschlag
Agora Energiewende (2022): Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2021. Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2022.
Projekt
Diese Publikation wurde erstellt im Rahmen des Projektes Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2021.

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