Zum Hauptinhalt gehen
Format
Meldung
Date
24. März 2026

EEG-Novelle: Mehr Tempo beim Wind- und Solarausbau erreichen mit sinkenden Kosten

Derzeit erarbeitet die Bundesregierung eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, das die zentralen Rahmenbedingungen für den Ausbau von Wind- und Solaranlagen festlegt. Agora Energiewende hat in einem neuen Impulspapier skizziert, worauf es bei der Gesetzesnovelle ankommt: Zentral ist es demnach, die Investitionssicherheit für Wind- und Solaranlagen zu erhalten und die Kosteneffizienz zu steigern.

Berlin, 24. März 2026. Eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) kann laut Agora Energiewende den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2035 um 150 Prozent steigern und gleichzeitig die jährlichen Bundeszuschüsse für Grünstrom um rund zehn Milliarden Euro senken. Damit macht sich Deutschland unabhängiger von fossilen Energieimporten und kann zudem von sinkenden Strompreisen profitieren. Die Einsparungen bei der Erneuerbaren-Förderung gehen vor allem auf das Förderende vieler teurer Altanlagen zurück. Um die staatlichen Ausgaben weiter zu minimieren, kommt es laut dem Thinktank zudem auf eine bessere Marktintegration der Erneuerbaren-Anlagen an. Hierfür empfiehlt das Agora-Papier eine Kombination von langfristigen Strombezugsverträgen (PPAs) mit der Absicherung neuer Projekte über staatliche Differenzverträge (CfDs). Bei Letzteren sollen Investoren im Ausschreibungsverfahren selbst festlegen können, ab wann die staatliche Absicherung beginnt und damit auch der EU-rechtlich vorgeschriebene Abschöpfungsmechanismus bei hohen Strompreisen („Claw back“) greift. Diese verstärkten marktlichen Anreize könnten laut Agora bewirken, dass bereits ab 2030 bis zu einem Viertel der Windenergieprojekte privat realisiert werden und ohne staatliche Absicherung auskommen. 

„Die erneuten Preisanstiege für fossile Brennstoffe zeigen, wie wichtig der zügige Ausbau von Wind- und Solarenergie für Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie in Deutschland und Europa ist“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. Derzeit hat Deutschland aufgrund des bestehenden EEG-Regimes aus garantiertem Netzanschluss, Einspeisevorrang und 20-jähriger Absicherung die im internationalen Vergleich niedrigsten Finanzierungskosten für Erneuerbaren-Projekte. „Mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket hat die Bundesregierung jetzt die Chance, Deutschland auf dem Weg zu einem günstigen, resilienten und klimaneutralen Stromsystem weiter voranzubringen und dabei die Ausbaukosten zu senken. Das gelingt, indem die gesetzlichen Neuerungen die Investitionssicherheit für Erneuerbare Energien aufrechterhalten und gleichzeitig marktliche Instrumente stärken.“

Systemdienlichen Erneuerbaren-Ausbau anreizen und Flexibilitätsoptionen nutzen 

Vor allem in den Wintermonaten laufen in Deutschland in vielen Stunden noch Gaskraftwerke, um die Stromnachfrage vollständig zu decken. Um die Abhängigkeit von Erdgas schneller zu reduzieren und Preisspitzen am Strommarkt zu dämpfen, schlägt Agora daher vor, die Ausschreibungen für Windkraft an Land für drei Jahre anzuheben – beginnend ab 2027. Mit gegenwärtig rund 41 Gigawatt an bereits genehmigten Windkraftanlagen und weiteren 57 Gigawatt, die sich in der Genehmigungsphase befinden, sei dies möglich. Das zeigen auch die letztjährigen Zuschläge in Höhe von rund 14 Gigawatt. Daher empfiehlt Agora, 3,5 Gigawatt der ohnehin vorgesehenen Resilienzausschreibungen für Windenergie auf das Gesamtvolumen der Windenergieausschreibungen aufzuschlagen – und diese entsprechend über drei Jahre von 10 auf 13,5 Gigawatt anzuheben. Zudem sollte der Anteil von besonders günstigen Freiflächenanlagen von bisher 50 auf 60 Prozent des Solarausbaus (14 Gigawatt) ansteigen. Auf diese Weise können heimische Wind- und Sonnenenergie bei insgesamt sinkenden Bundeszuschüssen schneller fossile Kraftwerke ersetzen. 

Darüber hinaus sind laut Agora Energiewende vor allem drei Faktoren entscheidend für sinkende Netz- und Systemkosten: 

  • Eine bessere Verteilung neuer Anlagen in einem effizienten Mix aus Wind- und Solaranlagen sowie Batterien: So können Windkraftanlagen in Verteilnetzen, die in den vergangenen Jahren vor allem durch Solarenergie geprägt wurden, die regionale Erzeugung besonders netzkosteneffizient ergänzen.
  • Verbindliche Mechanismen, damit Netzbetreiber Engpässe in stark belasteten Netzabschnitten zügig beheben – statt, wie derzeit vom Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagen, die Investitionsrisiken durch Engpässe einseitig auf Wind- und Solarprojekte zu übertragen. Hierfür ist es wichtig, dass die Bundesregierung die Vorgaben der EEG-Novelle auf die vorgesehenen Neuerungen im Netzpaket abstimmt.
  • Ein schnellerer Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpen, damit sich die Netzkosten auf mehr Schultern verteilen und pro Kopf entsprechend sinken. Zusätzliche Flexibilität im System, etwa durch dynamische Preissignale, würde zudem den staatlichen Finanzierungsbedarf über das EEG-Konto weiter reduzieren (um rund 1,6 Milliarden Euro jährlich ab 2030).

Das 18-seitige Impulspapier „Mit Wind und Sonne unabhängig von Gas und Öl werden“ gibt Empfehlungen für die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und steht zum kostenfreien Download auf www.agora-energiewende.de bereit.

Weiterlesen

Für weitere Informationen