Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2019

Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2020

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Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2020

Klimaschutz und Energiewende wurden 2019 erstmals seit dem Jahr 2000 in Umfragen zum wichtigsten Thema erklärt. Hintergrund ist sicherlich, dass die Auswirkungen des Klimawandels immer sichtbarer werden - nicht nur in Australien mit den verheerenden Waldbränden, sondern auch in Deutschland durch die immer trockener und heißer werdenden Sommer. Die FridaysForFuture-Klimastreiks haben es dann vermocht, die Erkenntnisse der Wissenschaft in öffentliche Aufmerksamkeit umzuwandeln und Druck auf die Politik aufzubauen - wenn auch noch mit bescheidenen Ergebnissen.
Parallel hat sich die Energiewende 2019 in vielen Bereichen positiv entwickelt: Die Kohleverstromung ist massiv zurückgegangen und hat die CO2-Emissionen in Deutschland um über 50 Millionen Tonnen sinken lassen - einen solchen Rückgang gab es zuletzt im Jahr der Weltwirtschaftskrise 2009. Gleichzeitig stieg die Stromerzeugung aus Erneuerbaren deutlich an, sodass Wind- und Solaranlagen mehr Strom produzierten als Braun- und Steinkohle.
Leider gibt es auch gegenläufige Tendenzen: Die CO2- Emissionen in Verkehr und Gebäude stiegen 2019 wieder, ebenso hält der Trend zu verbrauchsstarken SUVs an. Zudem sorgt der massive Einbruch beim Bau neuer Windanlagen 2018 und 2019 dafür, dass der Aufwuchs beim grünen Strom in den kommenden Jahren deutlich langsamer erfolgen wird.
 

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Kernergebnisse

  1. 1

    Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sinken 2019 aufgrund eines starken Rückgangs bei Braun- und Steinkohle um über 50 Millionen Tonnen CO2 und liegen damit etwa 35 Prozent unter dem Niveau von 1990.

    Demgegenüber sind die CO2-Emissionen bei Gebäuden und im Verkehr durch mehr Erdöl- und Erdgasverbrauch angestiegen. Hauptursache des CO2-Rückgangs sind höhere CO2-Preise im EU-Emissionshandel, ein deutlicher Zuwachs bei den Erneuerbaren und ein gesunkener Stromverbrauch. Im Verkehr sorgte der steigende Anteil an SUVs für einen Anstieg der Emissionen.

  2. 2

    Die Erneuerbaren Energien liefern 2019 mit knapp 43 Prozent des Stromverbrauchs einen neuen Rekord - aber aufgrund des Zusammenbruchs beim Windausbau auf nur noch ein Gigawatt pro Jahr startet die Energiewende in die 2020er mit einer schweren Hypothek.

    Während die Erneuerbaren in den letzten Jahren kontinuierlich um 15 Terawattstunden pro Jahr anwuchsen, wird der Mangel an Windflächen und -genehmigungen den weiteren Aufwuchs spürbar bremsen. Schnelles politisches Handeln ist jetzt gefragt, um die Erneuerbaren-Ziele für 2030 tatsächlich zu erreichen.

  3. 3

    Bei den Kosten der Erneuerbaren Energien ist der Scheitelpunkt in Sicht: Die EEG-Umlage steigt zwar 2020 nochmal auf 6,77 Cent je Kilowattstunde, aber spätestens ab 2022 zeigen sich die gesunkenen Kosten der Erneuerbaren Energien auch in einer sinkenden EEG-Umlage.

    Ältere, teure Anlagen fallen dann zunehmend aus der Förderung. Zudem soll ab 2021 ein Teil der Einnahmen aus dem Brennstoffemissionshandelsgesetz zur Senkung der EEG-Umlage verwendet werden. Der Strompreis dürfte in der Folge in den 2020ern nicht mehr steigen, sondern leicht fallen.

  4. 4

    Für die Bevölkerung war 2019 "Klimaschutz/Energiewende" das Top-Thema bei der Frage nach den wichtigsten Problemen - deutlich vor "Migration/Integration" (Platz 2) und "Renten" (Platz 3). Die Klima- und Energiepolitik hat dies jedoch nicht abgebildet.

    So reicht das im September von der Bundesregierung beschlossene Klimapaket nicht aus, um die 2030er-Klimaschutzziele zu erreichen. Insbesondere bei Verkehr, Gebäude und Industrie besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf.

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Bibliografische Angaben

  • Autoren

    Agora Energiewende: Fabian Hein Frank Peter Dr. Patrick Graichen

  • Publikationsnummer

    171/01-A-2020/DE

  • Versionsnummer

    1.1

  • Veröffentlichungsdatum

    01/2020

  • Seitenzahl

    74

  • Zitiervorschlag

    Agora Energiewende (2020): Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2019. Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2020.

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