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Format
Foliensatz
Date
26. März 2026

Chancen für resiliente Energieinfrastruktur vor Ort nutzen

Referentenentwurf zur Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie: Einordnung und Handlungsbedarf

Chancen für resiliente Energieinfrastruktur vor Ort nutzen

Zusammenfassung

Die mit dem Import fossiler Brennstoffe verbundenen Abhängigkeiten und Preisrisiken sind angesichts des Angriffs der USA und Israels auf den Iran und der Blockade der Straße von Hormus erneut deutlich geworden. Ein Großteil der Haushalte in Deutschland heizt aktuell noch mit Erdgas und ist somit den Preisrisiken ausgesetzt. Dabei ist längst klar, dass Wärmepumpen, Wärmenetze und in selteneren Fällen Biomasse die Lösungen der Zukunft sind. Somit gilt es, den Gasausstieg  und dementsprechend auch die Stilllegung der Erdgasinfrastruktur anzugehen. Das ist auch im Rahmen des gesetzlich verankerten Ziels der Klimaneutralität notwendig.

Die Umsetzung des europäischen Gas- und Wasserstoffpakets  in deutsches Recht ist ein wichtiger Schritt hin zu einer geordneten und rechtssicheren Stilllegung von Gasverteilnetzen. Bislang haben die im Energieversorgungsgesetz (EnWG) festgelegten Anschluss- und Betriebspflichten die Stilllegung von Netzabschnitten weitgehend verhindert. Der nun vorliegende Gesetzentwurf zur Umsetzung der Gas-Binnenmarkt-Richtlinie löst dieses Problem: Künftig können Gasverteilernetzbetreiber Anschlüsse an das Gasverteilnetz verweigern und sind verpflichtet, Netzentwicklungspläne zu erstellen, um die strukturierte Stilllegung oder die Umwidmung von Gasverteilnetzen zu koordinieren. Der Entwurf enthält jedoch auch erhebliche Lücken und birgt das Risiko, die Stilllegung von Gasnetzen weiter zu verzögern. Vor diesem Hintergrund geben die vorliegenden Folien einen Überblick über die Risiken der deutschen und europäischen Gasabhängigkeit sowie den Handlungsbedarf hinsichtlich der Umsetzung des Gaspakets.

Kernergebnisse

  1. Abhängigkeiten von fossilen Energieimporten schwächen die Versorgungssicherheit und riskieren empfindliche Preissprünge.

    Geopolitische Krisen zeigen diese Anfälligkeit wiederholt und treffen Haushalte und Unternehmen. Um einen geordneten Ausstieg aus der Gasversorgung zu ermöglichen, braucht es einen klaren regulatorischen Rahmen.

  2. Die Umsetzung der Gasbinnenmarktrichtlinie ebnet den Weg aus der Gasversorgung heraus und hilft somit, die Importabhängigkeit zu verringern und Energieversorger sowie Verbrauchende zu schützen.

    Gasverteilnetz-betreiber erhalten die Möglichkeit, (Teil-)Netze stillzulegen. Sinkende Abnehmerzahlen machen den Großteil der Gasverteilnetze in Zukunft unwirtschaftlich für Betreiber und teuer für verbleibende Kundinnen und Kunden.

  3. Der aktuelle Regelungsentwurf bietet den Netzbetreibern noch keine Rechtssicherheit und könnte Stilllegungen erheblich verzögern.

    Das liegt insbesondere an unklaren und späten Auslösezeitpunkten für die Erstellung von Verteilernetzentwicklungsplänen und langen Informationsfristen.

  4. Ein koordinierter Ausstieg aus Gasverteilnetzen schafft Resilienz, schützt Verbrauchende sowie Netzbetreiber und muss für die Klimaneutralität bis 2045 ohnehin erfolgen.

    Für die Umsetzung braucht es klare Vorgaben, eindeutige Zuständigkeiten und kurze Fristen. In Kombination mit dem Erneuerbaren- und Infrastrukturausbau sowie dem Umstieg auf klimaneutrale Technologien gelingt so die Unabhängigkeit von fossilen Gasimporten.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Anna Kraus, Uta Weiß, Mareike Herrndorff
Publikationsnummer
403/03-SD-2026/DE
Versionsnummer
1.0
Veröffentlichungsdatum

26. März 2026

Seitenzahl
28
Zitiervorschlag
Agora Energiewende (2026): Chancen für resiliente Energieinfrastruktur vor Ort nutzen. Referentenentwurf zur Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie: Einordnung und Handlungsbedarf.
Projekt
Diese Publikation wurde erstellt im Rahmen des Projektes Ein neuer Ordnungsrahmen für Erdgasverteilnetze.

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