• 02.05.2017

Ein Sonntag fast ohne Kohlestrom

Am 30. April lieferten Erneuerbare Energien im Mittel fast zwei Drittel des Stroms in Deutschland. Dafür standen so viele Kohlekraftwerke wie noch nie still. 

Berlin, 2. Mai 2017. Am vergangenen Sonntag (30. April) waren in Deutschland so wenig Kohlekraftwerke am Netz wie noch nie in der jüngeren Geschichte: Von 15 bis 16 Uhr arbeiteten sie nur noch mit einer Leistung von knapp 8 Gigawatt. Die Steinkohlekraftwerke waren auf 1,8 Gigawatt heruntergefahren worden, Braunkohlekraftwerke lieferten hingegen immer noch etwa 6,2 Gigawatt. Kernkraftwerke reduzierten ihre Leistung von 7,9 auf 5 Gigawatt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Stromdaten durch Agora Energiewende. Die maximal mögliche Leistung der Kohlekraftwerke liegt bei rund 50 Gigawatt.

Das Allzeit-Minium war möglich, weil Erneuerbare Energien – vor allem Wind- und Solarstromanlagen - das ganze Wochenende überdurchschnittlich viel Strom lieferten: In der Spitze waren es 55,2 Gigawatt (Sonntag 12 Uhr). Das Minimum betrug 16 Gigawatt (Sonntag 0 Uhr). Im Mittel waren es 35,7 Gigawatt, damit stammten im Mittel 64 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms am letzten April-Tag aus Erneuerbare Energien.

In der Spitze stieg der Erneuerbaren-Anteil sogar auf 85 Prozent (13-15 Uhr). Damit einher gingen für mehrere Stunden negative Preise an der Strombörse. „Das ist ein Zeichen dafür, dass immer noch zu viele Kraftwerke, die sich nicht weiter herunterfahren lassen, am Markt sind. Der Preis dafür ist, dass diese Kraftwerke hohen Verluste bei der Produktion in Kauf nehmen müssen“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

„Beim weiteren Wachstum der Erneuerbaren Energien, das zusehends unabhängig von Förderungen erfolgt, werden wir solche Konstellationen immer häufiger erleben und im Jahr 2030 werden sie völlig normal sein“, sagt Graichen. „Unflexible Kraftwerke haben dann nichts mehr im Stromsystem zu suchen, sie würden nur die Preise verderben. Bis 2022 wird der Kernenergieausstieg vollendet sein, sodass hier im Jahr 2030 kein Problem mehr besteht. Darüber hinaus muss man jetzt aber auch inflexible, alte Braunkohlekraftwerke in den Blick nehmen. Neben dem Klimaschutz und den künftigen EU-Grenzwerten zum Stickoxid-Ausstoß ist das ein weiterer Grund, diese in absehbarer Zeit vom Netz zu nehmen. Die Basis für entsprechende Gespräche könnte der Vorschlag von Agora Energiewende für einen geordneten Ausstieg aus der Kohleverstromung im Rahmen eines Kohlekonsenses sein.“