"Efficiency First" – Ein effizientes Energiesystem in Zeiten der Sektorkopplung

Stellungnahme von Agora Energiewende zu Efficiency First und Sektorkopplung des Grünbuchs „Energieeffizienz“ und Trend 5 des Impulspapiers „Strom 2030“

Stellungnahme

Die effiziente Nutzung von Energie (und damit auch Strom) verringert sowohl die Gesamtkosten des Energiesystems als auch die Kosten seiner langfristigen Transformation. Das hat die Studie „Positive Effekte der Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor“ im Auftrag von Agora Energiewende, ECF und RAP eindrucksvoll gezeigt. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass deren Ergebnisse als grundlegende Prämisse für „Efficiency First“ im Grünbuch „Energieeffizienz“ und im Impulspapier „Strom 2030“ herangezogen werden. Bisher ist die Effizienz der Sektoren – Strom, Wärme und Verkehr – jedoch lediglich einzeln betrachtet worden. So hat auch die „Power System Benefits Studie“ ausschließlich den Systemwert einer eingesparten elektrischen Kilowattstunde ermittelt.

Auch ist ein effizientes Stromsystem noch lange nicht Realität. So beträgt der durchschnittliche industrielle Strombezugspreis weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde, bei maximaler Befreiung von Abgaben und Umlagen sinkt diese sogar bis auf 4 Cent. Demgegenüber liegt der volkswirtschaftliche Wert der Einsparungen – spart also jede nicht-verbrauchte Kilowattstunde – zwischen 11-15 Cent. Das bedeutet, dass industrielle Verbraucher aus betriebswirtschaftlicher Erwägung nur Effizienzinvestitionen tätigen, wenn die Kosten dafür unterhalb dieser Bezugskosten liegen, und somit wirtschaftliche Effizienzpotenziale nicht gehoben werden können. Werden zukünftig die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr stärker miteinander gekoppelt, steigt die Komplexität weiter und somit auch das Risiko von Fehl-Anreizen und Fehl-Entscheidungen im Hinblick auf kostspielige Transformationspfade, Pfadabhängigkeiten und „Lock-in-Effekte“.

Für eine sichere, umweltverträgliche und nicht zuletzt kosteneffiziente Energieversorgung, die in demselben Maße dazu beiträgt, die deutschen Klimaschutzziele zu erfüllen, ist der Einsatz von Verbrauchern gleichrangig zu Erzeugern eine zentrale Voraussetzung, um immer höhere Anteile fluktuierender Erneuerbarer-Energien-Erzeugung in das System zu integrieren. Zunehmend häufige, schnelle und intensive Lastwechsel, bedingt durch Solarstrahlung und Winddargebot, erfordern mehr Flexibilität sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite. Im Kern geht es darum, ein Energiesystem zu entwickeln, welches Energieeffizienz und Flexibilität in volkswirtschaftlich optimaler Weise einsetzt. Dabei kann die notwendige Flexibilität durch angebots- oder nachfrageseitige Optionen bereitgestellt werden.

Um sicherzustellen, dass Energieeffizienz und flexible Lasten systemdienlich im kosteneffizienten Umfang von Verbrauchern für das Energiesystem angeboten werden, bedarf es eines diskriminierungsfreien Zugangs der nachfrageseitigen Optionen zu allen Marktsegmenten. Nur so kann ihr volkswirtschaftlicher Wert zukünftig auch betriebswirtschaftlich von den Endkunden dargestellt werden. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen und Anreize allerdings entsprechend überarbeitet und ausgestaltet werden, das bisherige System an Abgaben, Umlagen und Steuern reformiert werden. Agora Energiewende hat hierzu bereits weitreichende Handlungsempfehlungen vorgelegt, welche Hemmnisse im Sinne eines „Level-Playing-Field“ dringend abgebaut und wie adäquate Anreizsysteme ausgestaltet werden sollten und setzt hierzu die Analysen kontinuierlich fort. Die Stellungnahme zu Efficiency First und Sektorkopplung zeigt in diesem Kontext auf, wie die effiziente Nutzung von Energie als zentrales Leitprinzip einer kostenoptimierten Energiewende systematisch in die Praxis umgesetzt werden sollte.

Projektleitung

Bibliografische Angaben

  • Autoren

    Alexandra Langenheld

  • Veröffentlichungsdatum

    10/2016

  • Seitenzahl

    12

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