Wie kommt Ökostrom zum Verbraucher?

Eine Analyse von Stand und Perspektiven des Direktvertriebs von gefördertem Erneuerbare-Energien-Strom

  • Impuls

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt die Vergütung von Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen und den Weg, den dieser Strom zum Kunden nimmt. Seit der EEG-Novelle 2014 muss dieser Strom weitestgehend von den Anlagenbetreibern am Großhandelsmarkt direkt vermarktet werden. Die Regelung führt dazu, dass EEGvergüteter Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen zu Strom unbekannter Herkunft – umgangssprachlich Graustrom – wird. Der Verbraucher erfährt auf seiner Stromrechnung zwar, wie viel EEG-Strom in seinem Strommix bilanziell enthalten ist, kann jedoch keinen EEG-Strom aus konkreten Anlagen oder Regionen erwerben. Für ihre Ökostromprodukte greifen Stromvertriebe deshalb vor allem auf ausländische Herkunftsnachweise zurück.

Dem Verbraucher erschließt sich nicht unmittelbar, wieso er keinen EEG-Strom aus konkreten Anlagen beziehen kann, zumal diese Anlagen häufig in Sichtweite stehen und über die EEG-Umlage von ihm mitfinanziert werden. Der Gedanke, direkte Lieferbeziehungen zwischen EEG-Anlagenbetreibern und Kunden zu ermöglichen, berührt jedoch die strukturellen Grundlagen der Erneuerbare- Energien-Förderung in Deutschland. Der Gesetzgeber hat in der EEG-Novelle 2014 zwar eine Verordnungsermächtigung erlassen, die eine alternative Vermarktung von EEG-Strom direkt an Endkunden ermöglicht, wenn dadurch die Intentionen des EEG nicht konterkariert werden. Bei einem Workshop von Agora Energiewende am 18. Februar 2015 wurden dazu vorliegende Vorschläge diskutiert. Doch es bleibt fraglich, ob eine Lösung im aktuellen Rechts- und Verordnungsrahmen sinnvoll und ohne ungewünschte Nebenwirkungen funktioniert. Der Bundeswirtschaftsminister hat wohl auch deshalb im Oktober 2015 entschieden, auf eine Verordnung zur Grünstromvermarktung zu verzichten und im Zuge der nächsten EEG-Novelle ergebnisoffen nach einer Lösung zur regionalen Direktvermarktung zu suchen sowie hierfür gegebenenfalls neue Rechtsgrundlagen zu schaffen.

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Kernergebnisse

  1. 1

    Das derzeitige System der Stromkennzeichnung wird dem Transparenzanspruch gegenüber dem Verbraucher nicht gerecht.

    Das reale Beschaffungsverhalten der Versorger wird nicht abgebildet, es fehlen Klima-Kennwerte und die Anteile des EEG-geförderten Stroms am Unternehmensmix unterscheiden sich, obwohl private Endverbraucher die gleiche EEG-Umlage bezahlen. Das ist nicht vermittelbar und  führt zu rechtlichen Risiken. Eine Revision der Stromkennzeichnung ist erforderlich.

  2. 2

    In einer Welt von absehbar mehr als 50 Prozent Erneuerbaren steigt das Interesse der Verbraucher an konkreten Energiewende-Stromprodukten.

    Der Ausbau der Erneuerbaren ist als Gesellschaftsprojekt über die EEG-Umlage organisiert, das  Interesse an Strom konkreter regionaler und technischer Herkunft steigt jedoch. Die Regelung,  wonach jeder Umlagezahler eine rein rechnerische Menge EEG-Strom pauschal zugewiesen bekommt, sollte entsprechend weiterentwickelt werden.

  3. 3

    Investitionssicherheit für Anlagenbetreiber und Ökostromprodukte aus EEG-Strom müssen kein Widerspruch sein.

    Der Blick ins europäische Ausland zeigt, wie eine staatlich garantierte Erneuerbare-Energien-Finanzierung mit handelbaren Herkunftsnachweisen kombiniert werden kann. Dies ist im Rahmen des geltenden EEG 2014 nicht darstellbar.

  4. 4

    Bei der Weiterentwicklung des EEG sollte die Vermarktung von gefördertem EEG-Strom ermöglicht werden.

    Wichtigstes Ziel ist dabei eine verbesserte Akzeptanz der Energiewende. Ein denkbarer Ansatz ist das europäische System der Herkunftsnachweise, verbunden mit einer revidierten und besser kontrollierten Stromkennzeichnung.

Bibliografische Angaben

  • Autoren

    RA Christian Maaß (Hamburg Institut) und Dr. Barbara Praetorius (Agora Energiewende)

  • Publikationsnummer

    087/01-I-2015/DE

  • Versionsnummer

    1

  • Veröffentlichungsdatum

    12/2015

  • Seitenzahl

    42

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