Energieeffizienz als Geschäftsmodell

Ein marktorientiertes Integrationsmodell für Artikel 7 der europäischen Energieeffizienzrichtlinie

Ein marktorientiertes Integrationsmodell für Artikel 7 der europäischen Energieeffizienzrichtlinie

In der laufenden Legislaturperiode werden entscheidende Weichen im Bereich der Energieeffizienz gestellt. Unzählige Studien haben gezeigt: Wird die Energieeffizienz deutlich gesteigert, macht dies die Energiewende kostengünstiger für alle. Die Bundesregierung steht nun vor der Aufgabe, effektive Politiken und Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Mit der Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie sowie dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz besteht hierfür konkreter Anlass.

Das Ambitionsniveau der Richtlinie ist hoch, die Effizienzziele des Energiekonzepts sind ehrgeizig. Es ist absehbar, dass keine Einzelmaßnahme allein zur Umsetzung reicht. Im Kern geht es dabei um die Fragen, wie Energieeffizienz als Geschäftsmodell der Zukunft etabliert werden kann und welcher regulatorische Rahmen das nachgewiesene volkswirtschaftliche Potenzial in nachhaltiger Weise aktivieren kann.

Das Verpflichtungssystem für Energieversorger, das die EU-Energieeffizienzrichtlinie als eine zentrale Option vorsieht, wird von vielen Akteuren in Deutschland abgelehnt. Die Richtlinie sieht als Alternative sogenannte „andere strategische Maßnahmen“ vor, darunter Fondssysteme, Ausschreibungen oder Steuererleichterungen. In den letzten Monaten wurden verschiedene Vorschläge für ihre Ausgestaltung vorgelegt. Beim Vergleich der Modelle zeigt sich eine weitgehende Übereinstimmung, häufig fehlt allerdings noch der Schritt zur Konkretisierung des angedachten Geschäftsmodells für Energieversorger und Energiedienstleister.

Agora Energiewende hat daher das ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH und die LBD-Beratungsgesellschaft mbH beauftragt, ein konkretes Umsetzungs- und Finanzierungskonzept für die EU-Energieeffizienzrichtlinie zu entwickeln. Zugleich soll gezeigt werden, wie damit eine Grundlage für attraktive Geschäftsmodelle für Energieversorger und Energiedienstleister entsteht. Damit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, den „schlafenden Riesen“ Energieeffizienz nun endlich zu wecken.

Projektleitung

Kernergebnisse

  1. 1

    Effizienzrichtlinie und Aktionsplan Energieeffizienz bieten die Chance, Effizienz aus der Nische zu holen.

    Bisher war Energieeffizienz der stiefmütterlich behandelte Teil der Energiewende, obwohl es volkswirtschaft­lich insgesamt kostengünstiger ist, in den nächsten zehn Jahren den jährlichen Strombedarf um 85 TWh und den Brennstoffbedarf im Wärmemarkt um mehr als 900 PJ zu reduzieren.

  2. 2

    Bei geeigneten Rahmenbedingungen kann die Energiewirtschaft mit Energieeffizienz mehr Geld verdienen als mit dem Verkaufen von Strom.

    Während die Marge beim Verkaufen von Strom i.d.R. bei wenigen ct/kWh liegt, kann diese durch ein Verlängern der Wertschöpfungskette in Richtung Effizienz gesteigert werden. Hierzu müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

  3. 3

    Ein Integrationsmodell aus den verschiedenen Vorschlägen bietet breitmöglichste Akzeptanz.

    Es gibt unter vielen Akteuren ein Set an breit akzeptierten Maßnahmen: Hierzu gehören ein Einsparfonds mit Standardprogrammen und Ausschreibungen, die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung sowie Maßnah­men auf regulatorischer Ebene.

  4. 4

    Der Finanzierungsbedarf für Effizienzinvestitionen ist vergleichsweise gering, benötigt aber Stabilität.

    Da haushaltsfinanzierte Programme jährlich zur Disposition stehen, sollte zum einen das KWK­Gesetz zu einem Gesetz für Stromeffizienz weiterentwickelt werden und zum anderen die steuerliche Absetzbarkeit von Maß­nahmen zur energetischen Gebäudesanierung eingeführt werden.

Bibliografische Angaben

  • Autoren

    Christoph Lanhenke, Martin Pehnt, Albert Regenbrecht, Anja Schäffler, Ben Schlemmermeier

  • Publikationsnummer

    047/04-I-2014/DE

  • Veröffentlichungsdatum

    09/2014

  • Seitenzahl

    68

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