Transformation der Industrie vor der Herausforderung des Klimawandels

Die Transformation der Industrie hin zu mehr Nachhaltigkeit und weniger THG-Emissionen stand im Zentrum einer gemeinsamen Konferenz von Agora Energiewende und der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE am 7. Mai 2019. Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nahmen an der Veranstaltung teil. Sehen Sie hier die Aufzeichnung.

Dr. Kajsa Borgnäs, Geschäftsführerin der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE, wies in ihrer Begrüßungsrede darauf hin, dass die CO2-Minderung und Ressourcenschonung in der Industrie auch die Unternehmen und Beschäftigten in den (energieintensiven) Branchen im Organisationsbereich der IG BCE direkt betreffe. Es brauche Rahmenbedingungen, die Investitionen in nachhaltigen Technologien in Deutschland fördern. Nur so verhindere man Carbon- sowie Investment-Leakage.

Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, zeigte in seinem Eröffnungsreferat die CO2-Minderungsanforderungen für die Industrie auf. Er würdigte den bisher erreichten Erfolg der deutschen Industrie, trotz des starken wirtschaftlichen Wachstums in den vergangenen Jahren, die CO2-Emissionen konstant gehalten zu haben. Allerdings müsse vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele 2030 und 2050 der CO2-Ausstoß der Industrie nicht nur spezifisch, sondern auch absolut beträchtlich gesenkt werden. Der Schlüssel dafür seien Investitionen in neue emissionsarme Technologien in allen industriellen Branchen. Die Chancen dafür sind vorhanden. Ein Großteil des heutigen Kapitalstocks der Industrie müsse ohnehin in den nächsten Jahren erneuert werden – und Deutschland habe die entsprechende technologische Kompetenz. Dr. Patrick Graichen schlug zudem Sonderabschreibungen als Beschleuniger der Transformation vor.

Der Vorsitzende der IG BCE Michael Vassiliadis betonte in seinen Ausführungen, dass kooperative Herangehensweisen für die Transformation der Industrie notwendig seien. Die Transformation können nur erfolgreich sein, wenn sie mit statt gegen Unternehmen umgesetzt und dabei mit ökonomischem sowie sozialem Augenmaß gestaltet werde. Im Übrigen werde oft verkannt, dass die Gewerkschaften sich, auch über die Mitbestimmung, schon lange für ökologisch nachhaltige Innovationen und Investitionen einsetzten. Damit die Unternehmen aber in CO2-arme Verfahren und Produkte investieren, müsse die Politik innovativer und schneller als bisher die entsprechenden Rahmenbedingungen und Förderinstrumente schaffen. Die Unternehmen könnten und wollten innovieren und investieren, aber die Unsicherheit über die zu erwartenden Regulierungen sei oft zu hoch.

Der Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Prof. Dr. Andreas Pinkwart wies Innovationen sowie Carbon-Leakage-Schutz eine tragende Rolle im Transformationsprozess zu. Dies gelte auch bei der energieintensiven Industrie, die hinsichtlich Wertschöpfung und Beschäftigung gerade in Nordrhein-Westfalen, aber nicht nur dort, eine herausragende Rolle spielt. Große Chancen bestünden in der flexiblen Produktion, um auf die Fluktuation der erneuerbaren Energien reagieren zu können. Zudem hob Minister Pinkwart den Wasserstoff als eine der Schlüsseltechnologien hervor. Es brauche zukünftig verstärkt Breakthrough-Innovationen, wie etwa den Einsatz von Wsserstoff in der Stahlindustrie, aber auch neuen biotechnologischen Verfahren in der Chemiebranche.

In einem weiteren Podium wurde mit UnternehmensvertreterInnen und WissenschaftlerInnen über die jetzigen und zukünftigen technologischen Verfahren für eine CO2-arme Produktion diskutiert. Gleich zu Beginn wurde deutlich: Im Bereich der Energieeffizienz sind die low-hanging fruits größernteils bereits abgeerntet. Jedoch seien grundsätzlich viele CO2-arme industrielle Produktionsverfahren in der Forschungs- und Erprobungsphase. Ab 2030 könne man mit der Realisierung im großen Maßstab rechnen. Allerdings müssten zuvor neue Anlagen und Verfahren etabliert werden. Als Schlüsseltechnologie wurde auch hier der Wasserstoff identifiziert. Für die Industrie spielen zudem die weiteren PtX-Technogien neben dem Wasserstoff eine große Rolle, sowie auch CCU-Technologien (Carbon Capture and Utilization). CO2-arme Geschäftsmodelle bräuchten langfristig wirkende, förderlich-regulatorische und institutionelle Rahmenbedingungen, so die Meinung auf dem Podium. So könnten beispielsweise Kaufanreize für CO2-arme Produkte und eine schnellere Zulassung von Verfahren sowie Produkten die Innovationsdynamik deutlich erhöhen.

Die finale Podiumsdiskussion mit VertreterInnen aus der Politik setzte sich mit der Planungssicherheit für Unternehmen auseinander. Die TeilnehmerInnen waren sich einig, dass die Unternehmen in ihrer Innovationspolitik mehr Unterstützung bräuchten. Grundsätzlich war man sich auch einig, dass ein Neustart in der Energiepolitik, speziell bei der Energiebesteuerung, notwendig sei. Vieles könne einfacher gemacht werden, um bessere Anreize für Investitionen zu setzen. Positiv wurden die von der Politik initiierten Branchendialoge mit Verbänden und Unternehmen beurteilt. Diese ermöglichten es branchenspezifische Lösungen zu erarbeiten. Umstritten war dagegen das Thema aktive Industriepolitik für eine erfolgreiche Transformation. Bei der Frage der CO2-Bepreisung oder Ausweitung des ETS-Systems traten ebenfalls unterschiedliche Auffassungen hervor.

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