Integrationskosten von Erneuerbaren Energien: Umstritten aber eher klein

Strom aus Wind- und Solarkraftwerken verändert das gesamte Stromsystem und kann dort auch zu zusätzliche Kosten führen. Ein neues Hintergrundpapier untersucht die Dynamiken und kommt zu dem Schluss, dass nicht nur die direkt zurechenbaren Kostenanteile klein sind, sondern auch die umstrittenen indirekten Anteile – vorausgesetzt, das Stromsystem wird deutlich flexibler.
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Es ist eine beinahe philosophische Frage und ein Streit in der Gemeinde von Energiewirtschaftlern und Energiepolitikern: Welche Kosten verursacht der Ausbau der Erneuerbaren Energien jenseits des Baus der entsprechenden Anlagen selbst?

Agora Energiewende hat sich der Frage nun in einem Hintergrundpapier gewidmet. Darin werden die verschiedenen Perspektiven in dieser kontroversen Debatte erläutert, sowie Erkenntnisse daraus dargestellt. Die Studie evaluiert die sogenannten Integrationskosten bei einem Anteil von Wind- und Solarstrom von 50 Prozent am Stromverbrauch in Deutschland. Unstrittig sind dabei die Kosten, die dem Ausbau der Stromnetze und der Bereitstellung von Regelenergie zuzurechnen sind: Diese belaufen sich auf 5 bis 13 Euro je Megawattstunde Strom aus Erneuerbaren Energien.

Umstritten sind hingegen die indirekten Effekte von Erneuerbare Energien auf die konventionelle Stromerzeugung sowie die daraus resultierenden Kosten. Gewöhnlich beschränkt sich die Debatte auf die Kosten für die so genannten Backup-Kapazitäten. Hier geht es um die Bereitstellung von Strom aus konventionellen Kraftwerken zu Zeiten, in denen Wind- und Solarkraftwerke aufgrund der Wettersituation nicht produzieren können. Diese Backup-Kosten liegen der Studie zufolge bei maximal 3 Euro pro Megawattstunde Strom aus Erneuerbaren Energien im Vergleich zu einem System ohne Erneuerbare Energien. Sie sind damit fast vernachlässigbar klein.

Allerdings ist diese Komponente eng verknüpft mit dem Schicksal konventioneller Kraftwerke insgesamt – durch die Zunahme von Strom aus Erneuerbaren Energien ändert sich Ihr Erzeugungsprofil und ihre Betriebsstunden reduzieren sich. Das wiederum führt auch zu Umstrukturierungen im Kraftwerkspark – weg von konstant produzierenden Kraftwerken, hin zu flexibel reagierenden. Rückläufige Einnahmen im konventionellen Kraftwerksbereich sind die logische Folge.

Ob und wie die Einnahmeausfälle den Erneuerbaren Energien zugerechnet werden können, ist unter Fachleuten umstritten. Die Antwort hängt stark von der Perspektive ab, aus der man auf das Energiesystem blickt. Unabhängig davon sind die Kosten durch die veränderte Nutzung der konventionellen Kraftwerke jedoch überschaubar: Sie betragen der Studie zufolge bei einem Wind und Solarenergie -Anteil von 50 Prozent am deutschen Stromverbrauch maximal 13 Euro pro Megawattstunde. Zudem kann eine flexible Anpassung des Stromsystems an die Erneuerbare-Energien-Erzeugung in den nächsten 20 Jahren diese Kosten auf null reduzieren. Unter gewissen Umständen können die durch die rückläufige Nutzung konventioneller Kraftwerke verursachten Kosten sogar negativ werden – es gäbe dann einen Integrationsbenefit von Erneuerbaren Energien. Dazu kann es kommen, wenn die Verminderung der externen Kosten durch Erneuerbare Energien (beispielsweise. CO2-Zertifikate) die Kosten einer verminderten Nutzung der konventionellen Kraftwerke überwiegt oder wenn günstige Erneuerbare Energien teuren Strom aus konventionellen Kraftwerken ersetzen.

Aufgrund der Komplexität des Konzepts der Integrationskosten und der Diskussionen darüber lautet ein Ergebnis der Studie auch, dass sich ein belastbarer Kostenvergleich besser erreichen lässt, indem man die Gesamtkosten von Systemen mit hohen Anteilen Erneuerbaren Energien den Gesamtkosten von Systemen mit einem hohen Anteil konventioneller Kraftwerke gegenüberstellt.

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