Klimafreundliche Stromerzeugung: Welche Option ist am günstigsten?

Zusammenfassung

Stromerzeugungskosten neuer Wind- und Solaranlagen sowie neuer CCS- und Kernkraftwerke auf Basis der Förderkonditionen in Großbritannien und Deutschland

Zwei Jahrzehnte technischen Fortschritts haben die Kosten für die Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie deutlich sinken lassen. Dies zeigt zum Beispiel die Verringerung der deutschen Einspeisevergütung für Photovoltaik in den vergangenen fünf Jahren um 80 Prozent. Doch wie wettbewerbsfähig sind Wind- und Solarstrom im Vergleich zu anderen kohlenstoffarmen Technologien? Angesichts des EU-Ziels einer kostengünstigen Dekarbonisierung der Stromproduktion halten wir diese Frage für hochgradig relevant.

Aus diesem Grund haben wir die Prognos AG damit beauftragt, die aktuellen Kosten unterschiedlicher kohlenstoffarmer Technologien zu vergleichen. Die Grundlage dafür bilden die heute geltenden Förderbedingungen für die jeweiligen Technologien, wobei auch die Zuverlässigkeit der Stromversorgung vollständig mit berücksichtigt wird.

Der hier präsentierte Kostenvergleich ist nur eine Momentaufnahme. Politische Entscheidungen und die technische Weiterentwicklung werden bei allen Technologien Auswirkungen auf die zukünftigen Kosten haben. Dennoch hoffen wir, mit dieser Übersicht einen Beitrag zu einer auf Fakten basierenden Debatte über die zur Verfügung stehenden Energieoptionen leisten zu können.


Kernergebnisse

  1. Neue Wind- und Solarkraftwerke können Strom zu bis zu 50 Prozent niedrigeren Erzeugungskosten liefern als neue Kernkraftwerke oder Kohlekraftwerke mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS).

    Dies ergibt sich aus einem konservativen Vergleich der aktuellen Einspeisevergütungen in Deutschland mit dem vereinbarten Abnahmepreis für ein neues Kernkraftwerk in Großbritannien (Hinkley Point C) und den aktuellen Kostenschätzungen für CCS; künftige Kostensenkungen werden bei allen vier dieser Technologien außer Acht gelassen.

  2. Ein zuverlässiges Stromversorgungssystem auf der Basis von Wind- und Sonnenenergie sowie Gas als Reserve kostet 20 Prozent weniger als ein System mit neuen Kernkraftwerken in Kombination mit Gas.

    Für einen aussagekräftigen Vergleich der Kosten verschiedener Technologien wurde auch der Bedarf an Reservekapazitäten und Spitzenlastkraftwerken mit einbezogen. Dabei zeigt sich, dass bei einem System auf der Basis von Windkraft und Photovoltaik zusätzliche Kosten für Gaskraftwerke als Reserve an. Diese sind jedoch gering im Vergleich zu den höheren Stromerzeugungskosten bei Kernkraft.

Bibliografische Angaben

Autoren

Matthias Deutsch, Leonard Krampe, Frank Peter, Silvan Rosser

Publikationsnummer

048/06-A-2014/DE

Versionsnummer

1

Veröffentlichungsdatum

07/2014

Seitenzahl

32