Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor

Zusammenfassung

Endbericht einer Studie von der Prognos AG und dem Institut für Elektrische Anlagen und Energie-wirtschaft (IAEW)

Die Frage nach den Kosten beherrscht die öffentliche Debatte um die Energiewende. Darin wird bisher vernachlässigt, dass mit einer Steigerung der Energieeffizienz die Energiewende deutlich günstiger umzusetzen ist. In welcher Größenordnung der finanzielle Wert des Stromsparens für den Stromsektor insgesamt liegt, ist bislang noch nicht beziffert worden. Hier setzt die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, der European Climate Foundation (ECF) und dem Regulatory Assistance Project (RAP) an. Konkret zeigt die Studie, in welchem Umfang durch Energieeffizienz die Kosten der Stromerzeugung gesenkt werden können, und zwar in den Bereichen konventionelle und erneuerbare Erzeugung sowie bei Übertragungs- und Verteilnetzen, mit bemerkenswerten und durchaus überraschenden Ergebnissen. Die neue Bundesregierung steht vor der Aufgabe, für die Energiewende entscheidende Politiken auf den Weg zu bringen. Gerade bei der Energieeffizienz gibt es Handlungsdruck, um die langfristigen Ziele – Senkung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 um 50 Prozent und des Stromverbrauchs bis zum Jahr 2020 um 10 Prozent beziehungsweise bis 2050 um 25 Prozent – zu erreichen. Die vorliegende Studie ist daher auch als ein Plädoyer dafür zu verstehen, die Rolle der Energieeffizienz im Stromsektor entsprechend ihrer Bedeutung zu würdigen und der Effizienz eine prominente Rolle im Zuge der gegenwärtigen Energiewende-Diskussion einzuräumen. Mit der Umsetzung der Europäischen Energieeffizienzrichtlinie in nationales Recht sowie dem im Koalitionsvertrag verankerten Nationalen Energieeffizienz-Aktionsplan gibt es hierfür konkreten Anlass.


Kernergebnisse

  1. Die Steigerung der Energieeffizienz senkt die Kosten des deutschen Stromsystems deutlich.

    Jede eingesparte Kilowattstunde Strom reduziert Brennstoffe, CO2-Emissionen, fossile und erneuerbareKraftwerksinvestitionen sowie Netzausbau. Eine Reduktion des Stromverbrauchs bis 2035 um 10 bis 35Prozent gegenüber der Referenzentwicklung senkt die Kosten im Jahr 2035 um 10 bis 20 Milliarden Euro2012.

  2. Die Steigerung der Energieeffizienz im Strombereich ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll.

    Eine eingesparte Kilowattstunde Strom bewirkt je nach betrachtetem Szenario eine Kosteneinsparungim Stromsystem zwischen 11 und 15 Cent2012 im Jahr 2035. Sehr viele Effizienzmaßnahmen sind wesentlichgünstiger umzusetzen, ihre Umsetzung ist damit aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

  3. Je geringer der Stromverbrauch, desto geringer fällt auch der Ausbaubedarf der Stromnetze aus.

    Der langfristige Ausbaubedarf im deutschen Übertragungsnetz bis zum Jahr 2050 kann bei einer deutlichenSteigerung der Energieeffizienz von 8.500 Kilometern Leitungslänge auf einen Ausbaubedarf zwischen1.750 und 5.000 Kilometern gesenkt werden.

  4. Eine Senkung des Stromverbrauchs senkt CO2-Emissionen und Brennstoffimportkosten.

    Durch eine Reduktion des Stromverbrauchs um mehr als 15 Prozent gegenüber einer Referenzentwicklungkönnen im Jahr 2020 die CO2-Emissionen um 40 Millionen Tonnen und die Importausgaben für Steinkohleund Erdgas um 2 Milliarden Euro2012 reduziert werden.

Bibliografische Angaben

Autoren

Marco Wünsch (Projektkoordination), Ruth Offermann, Friedrich Seefeldt, Karsten Weinert, Inka Ziegenhagen (Prognos AG), David Echternacht, Dr.-Ing. Ulf Kasper, Julian Lichtinghagen, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Albert Moser (IAEW)

Publikationsnummer

032/01-S-2014/DE

Versionsnummer

1

Veröffentlichungsdatum

03/2014

Seitenzahl

92