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  • 18.05.2015

Gebremstes Hochschnellen der Energiepreise

Weltweit gestiegene Ölpreise verteuern Energiekosten für deutsche Verbraucher / Anstieg um 0,5 Prozent im April / Als Spätfolge des milden Winters sinken die Heizkosten deutlich

Nach dem Einbruch im Jahr 2014 sind die Energiepreise für Deutschlands Verbraucher im nunmehr dritten Monat in Folge wieder gestiegen. Im April verteuerte sich Energie um durchschnittlich 0,5 Prozent gegenüber Vormonat. Das entspricht zwar einer deutlichen Verlangsamung der Korrekturbewegung; im Februar und März waren die Energiepreise noch um 2,1 und 1,4 Prozent hochgeschnellt. Alles in allem sind mittlerweile allerdings rund zwei Fünftel jenes Rückgangs der Kosten wieder wettgemacht, der im vergangenen Sommer eingesetzt hatte. Dies ergibt die aktuelle Auswertung des Energiepreis-Monitors der European Climate Foundation.

Alles in allem waren die Energiepreise für Deutschlands Verbraucher von Juni 2014 bis Januar 2015 um 10 Prozent gefallen. Hauptgrund waren die drastisch gesunkenen Rohölpreise. Der Kurs für ein Barrel (157 Liter) Rohöl fiel im Schnitt weltweit von 110 auf zwischenzeitlich weniger als 50 US-Dollar. Seit Ende Januar ist dieser Trend gestoppt. Im April erreichten die Ölpreise teils sogar wieder die 70-Dollar-Marke. Diese Verteuerung war für Verbraucher im Euro-Raum zeitweise noch verstärkt worden, da der Euro gegenüber dem Dollar drastisch abwertete, was Importe umrechnungsbedingt verteuert. Im April hat dieser Währungseffekt kaum noch eine Rolle gespielt, wie aus den Berechnungen des Hamburger HWWI-Instituts hervorgeht: in Dollar gerechnet verteuerte sich Öl um 9,9 Prozent – in Euro um 10,6 Prozent.

Die Korrektur an den Ölmärkten erklärt im April den kompletten Anstieg der deutschen Energiepreise. Die Preise für Kraftstoffe stiegen im Schnitt um 2,2 Prozent gegenüber März. Hätte es nicht andere Energiearten gegeben, die billiger wurden, wären die Energiepreise insgesamt angesichts der Benzinverteuerung sogar um 0,7 Prozent gestiegen. Kraftstoffe machen gut ein Drittel der Energieausgaben der Privathaushalte in Deutschland aus.
Gebremst wurde die Energieteuerung im April durch einen außergewöhnlichen Rückgang der Preise für Zentralheizung und Fernwärme um 0,8 Prozent. Hier machte sich mit Verzögerung der besonders milde Winter bemerkbar, der wärmste seit 2007. Die Durchschnittstemperatur lag mit 3,3 Grad deutlich höher als etwa im Winter 2013 mit 0,3 Grad. Folglich musste weniger geheizt werden. Ein solcher Rückgang des Index ist ungewöhnlich. Die Preise ändern sich im Schnitt sonst nur um wenige Zehntel, da für Heizung üblicher Weise gleichmäßige Abschläge zu zahlen sind, die nur einmal im Jahr angepasst werden. Der Winter-Effekt schlägt sich mit ein paar Monaten Verzögerung nun nieder.

Leicht gefallen sind im April auch die Preise für Strom und Gas (jeweils minus 0,2 Prozent gegenüber März). Heizöl war ebenfalls billiger als im Vormonat, allerdings stiegen die Preise hier gegen Ende April wieder deutlich – gemäß dem internationalen Trend an den Ölmärkten.

Da nur ein Teil des vorangegangenen Preisrückgangs wettgemacht ist, haben die Energiepreise immer noch einen mäßigenden Effekt auf die Jahresinflation in Deutschland. Wären die Energiekosten in den vergangenen zwölf Monaten stabil geblieben, würden die Verbraucherpreise insgesamt jetzt um 1,2 Prozent über Vorjahr liegen. Dank des zwischenzeitlichen Preisrutschs liegt die Inflation tatsächlich jetzt aber nur bei 0,5 Prozent.