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  • 29.03.2013

Zusammenhang von Strombörsenpreisen und Endkundenpreisen

Während die Erlöse beim Vertrieb von Strom in den Wettbewerbstarifen in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich gesunken sind, konnten die Grundversorger ihre Erlöse deutlich steigern. Das zeigt eine aktuelle Studie von Energybrainpool im Auftrag von Agora Energiewende.

Der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorangetriebene Ausbau von Anlagen zur Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien führt zu steigenden Mengen von Strom mit geringen Betriebskosten (im Sinne kurzfristiger Grenzkosten) am Strommarkt. Diese Mengen verdrängen Strom aus konventionellen Erzeugungsanlagen wie zum Beispiel Kohle- oder Gaskraftwerken mit höheren Betriebskosten. Dieser Effekt, der auf die geordnete Einsatzreihenfolge der Kraftwerke wirkt, wird als Merit-Order-Effekt bezeichnet. Der Merit-Order-Effekt senkt das Preisniveau an der Strombörse. Auf der anderen Seite steigen die Strompreise für Endverbraucher weiter an, vor allem durch Bestandteile, die nicht vom Energieversorgungsunternehmen bestimmt werden, sondern von den Netzbetreibern und der Politik.

Aus diesen beiden Tatsachen wird häufig die Vermutung abgeleitet, dass die sinkenden Strombörsenpreise nicht an ihre Haushaltskunden weitergegeben werden und Energieversorger höhere Margen erzielen können.

Agora Energiewende hat das Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool beauftragt, diese Frage genauer zu untersuchen. In einer Studie wurde analysiert, wie sich Haushaltsstrompreise und Strombörsenpreise in den Jahren 2009 bis 2013 entwickelt haben, wie diese miteinander in Beziehung stehen, und wie sich dementsprechend die Margen der die Haushaltskunden beliefernden Energieversorger vermutlich entwickelt haben.

Dabei wurde eine deutliche Zweiteilung der Tariflandschaft im Endkundengeschäft ausgemacht. Bei den betrachteten Wettbewerbstarifen waren Vertriebskosten und Gewinn negativ. Sie fielen über den Betrachtungszeitraum von 2009 bis 2013 sogar, was zu Verlusten der Energieversorger bei der Belieferung von Neukunden mit Strom führt. Dies lässt auf einen hohen Wettbewerbsdruck bei der Neukundengewinnung schließen.

Auf der anderen Seite konnten Grundversorger selbst in Regionen mit hohem Wettbewerbsdruck  in den vergangenen vier Jahren ihre Erlöse für Vertriebskosten und Gewinn um bis zu 87 Prozent steigern.

Würden bei den Grundversorgern die Vertriebskosten inklusive Gewinn des Jahres 2013 unter Berücksichtigung der Inflation auf den Zustand des Jahres 2009 reduziert, ließen sich für die Haushalte in der Grundversorgung Stromkosteneinsparungen von rund 395 Millionen Euro brutto pro Jahr realisieren.

Bei einer Betrachtung des Zusammenhangs von Börsenpreis, EEG-Umlage und Endkundenpreis konnte gezeigt werden, dass ein fallender Börsenpreis zwar eine höhere EEG-Umlage bewirkt. Allerdings sinken dabei auch die Beschaffungskosten – zumindest mit einem durch die Beschaffungsstrategie bedingten zeitlichen Versatz. Sofern die Energieversorger die gesunkenen Beschaffungspreise an die Endkunden weitergeben, kann der Kostenrückgang bei der Beschaffung den börsenpreisbedingten Anstieg der EEG-Umlage überkompensieren.

Durch einen Wechsel aus dem Grundversorgertarif in einen Wettbewerbstarif lässt sich im Durchschnitt der betrachteten Regionen – zumindest im ersten Jahr – pro Haushalt die Stromrechnung um circa 250 Euro senken.