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  • 02.06.2014

Ausschreibungen sorgfältig testen

Von 2017 an sollen Ausschreibungen zur Regel bei der Förderung von Erneuerbaren Energien werden. Agora Energiewende legt ein Fokuspapier vor, das die wichtigsten Fragen und Optionen, die bei Auktionen abzuwägen sind, zusammenfasst und sie mit internationalen Erfahrungen spiegelt.

Nach dem Willen der Bundesregierung und der EU-Kommission sollen Ausschreibungen für Erneuerbare Energien von 2017 an die administrativ festgelegten Fördersätze im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ersetzen. Gleichzeitig sind jedoch noch eine Fülle von Fragen im Zusammenhang mit Erneuerbare-Energien-Ausschreibungen offen – bis hin zu der Grundsatzfrage, ob sie tatsächlich für alle Technologien sinnvoll eingesetzt werden können oder ob nicht doch teilweise die in den EU-Beihilfeleitlinien vorgesehenen Ausnahmeklauseln greifen. Es wäre daher sinnvoll, neben den vorgesehenen Pilotauktionen im Bereich Photovoltaik-Freiflächenanlagen ebenfalls Pilotauktionen im Bereich Onshore-Windkraft durchzuführen, um damit bis 2016 dringend benötigte Erfahrungen zu sammeln.  

Das ist eine der Schlussfolgerungen, die sich aus einem von Agora Energiewende veröffentlichten Hintergrundpapier ergeben. Es adressiert die wichtigsten Stellschrauben von Ausschreibungen und zeigt Punkte auf, die einer tiefer gehenden Befassung bedürfen.

Denn in der ökonomischen Theorie sind Ausschreibungen oder Auktionen ein effizientes Instrument zur Bestimmung von Preisen. Allerdings werden in der Literatur auch die Voraussetzungen genannt, die erfüllt sein müssen, damit sie tatsächlich zum gewünschten Ergebnis führen: So muss es unter anderem eine ausreichende Zahl an Bietern und geeignete Zugangsbedingungen auch für kleinere Anbieter geben, damit der Wettbewerb funktioniert. Zudem führt das Ausschreibungsverfahren bei den Projektentwicklern zu zusätzlichen Risiken, die je nach Design die Kosten deutlich erhöhen können. Daneben zeigen die Erfahrungen in anderen Ländern, dass immer auch ein beträchtlicher Teil der Projekte, die den Zuschlag erhalten, nicht realisiert werden.

Das von den Autoren Mario Ragwitz (Fraunhofer ISI), Christoph Maurer (Consentec) und Gustav Resch (TU Wien) im Auftrag von Agora Energiewende erstellte Hintergrundpapier diskutiert daher die zentralen Elemente eines effizienten und gleichermaßen gesellschaftlich und politisch akzeptablen Ausschreibungsdesigns, ohne dass Lösungen für alle aufgeworfenen Fragen und Herausforderungen gegeben werden können. Hier herrscht weiterer Forschungsbedarf. Es ist insofern derzeit noch nicht klar, ob Ausschreibungen tatsächlich für alle Technologien der Erneuerbaren Energien das Mittel der Wahl sind. Die sorgfältige Prüfung möglicher Designoptionen ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass die im EEG formulierten Erneuerbare-Energien-Ausbauziele kosteneffizient erreicht werden.