• 10.08.2016

Wie der grenzüberschreitende Stromhandel besser funktionieren kann

Die Regeln der Strommärkte in den Ländern Zentralwesteuropas unterscheiden sich stark voneinander. Dadurch kann die Flexibilität im Stromsystem nicht optimal genutzt werden. Ursachen und Lösungswege zeigt eine Studie von Agora Energiewende.

Im Handel mit Strom zwischen den Ländern Zentralwesteuropas kommt es immer wieder zu systematischen Reibungsverlusten. Der Grund dafür ist, dass sich die Regeln für die kurzfristigen Strommärkte von Land zu Land deutlich unterscheiden. Das ist das Ergebnis einer Studie für Agora Energiewende, die jetzt vorgestellt wurde. Die Ineffizienz des grenzüberschreitenden Stromhandels steht im Widerspruch zu den gemeinsamen Zielen von Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz. Diese Länder arbeiten im so genannten Pentalateralen Energieforum an einer besseren Integration der zentralwesteuropäischen Strommärkte. Dabei geht es vor allem darum, die steigenden Flexibilitätsanforderungen, die mit dem Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen einhergehen, zu erfüllen.

Besonders betroffen sind die Märkte für Regelenergie, über welche Unterschiede zwischen der geplanten Stromerzeugung beziehungsweise Stromnachfrage und der tatsächlichen Situation ausgeglichen werden. Hier verfolgen die Länder des Pentalateralen Energieforums allesamt unterschiedliche Ansätze. Diese sind nicht nur nicht miteinander kompatibel, sondern zeichnen sich auch durch große Unterschiede bei den Preisen für die Regelenergie aus. Darin spiegeln sich die Unterschiede der jeweiligen Marktregeln in den verschiedenen Ländern wider.

Ähnlich sieht es in den Märkten für den untertägigen Stromhandel aus. So muss in den Niederlanden, Belgien und Frankreich beispielsweise eine Leistung von einer Megawattstunde Strom am Intra-Day-Markt in Stundenblöcken angeboten werden. In Österreich, der Schweiz und Deutschland hingegen sind auch Angebote für Viertelstunden möglich. Durch diesen Unterschied kann zwar Strom aus Erneuerbaren Energien von Frankreich nach Deutschland und umgekehrt gehandelt werden, allerdings nur wenn die Leistung mindestens eine Stunde lang bereitgestellt werden kann. Die für Windkraft und Photovoltaik viel relevantere Vermarktung über Viertelstunden bleibt damit letztlich nur auf ein abgegrenztes Marktgebiet beschränkt.

„Miteinander harmonierende Marktregeln sind eine wesentliche Voraussetzung für den Strommarkt über Ländergrenzen hinweg“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Denn nur damit lassen sich die in Zentralwesteuropa reichlich vorhandenen Flexibilitätspotenziale optimal nutzen.“

„Die Angleichung der Marktregeln ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Erneuerbaren Energien erfolgreich und kostengünstig ins europäische Stromsystem integriert werden können. Das ist nötig, um bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren Energien am europäischen Strommix auf rund 50 Prozent zu erhöhen“, so Graichen. „Unsere Studie beschreibt, an welchen Punkten angesetzt werden kann, um die hierfür nötigen Verbesserungen zu erzielen.“

Die Studie „Refining Short-Term Electricity Markets to Enhance Flexibility“ wurde von CE Delft (Niederlande) und Microeconomix (Frankreich) im Auftrag von Agora Energiewende erarbeitet. Sie steht unten zum kostenfreien Download zur Verfügung.