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  • 13.02.2014

Verteilnetze lassen sich mit einfachen Maßnahmen für die Energiewende fit machen

Mit geringen Kosten können Verteilnetze steigende Anteile von Erneuerbaren gut aufnehmen. Der Endbericht des Agora Stakeholder-Dialogs zu Verteilnetzen identifiziert vier zentrale Themenbereiche, die von der Bundesregierung zügig angepackt werden sollten.

Verteilnetze stehen im Mittelpunkt der Energiewende. Rund 95 Prozent der Erneuerbaren Energien speisen in die Verteilnetze ein. Mit steigendem Anteil von Strom aus Wind und Sonne nehmen jedoch auch die Herausforderungen für die dezentralen Netze zu.

Agora Energiewende hat knapp 30 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verwaltung an einen Runden Tisch geladen, um in drei Workshops die zukünftigen Herausforderungen der Verteilnetze teils sehr kontrovers zu diskutieren. Der Schlussbericht, der heute vorgestellt wird, enthält fünf gemeinsame Kernbotschaften und benennt vier Themenfelder, die aus Sicht der Teilnehmer in dieser Legislaturperiode adressiert werden müssen.

„Die weitere Entwicklung der Verteilnetze ist bisher der blinde Fleck der Energiewende – hier muss dringend nachgearbeitet werden. Unser Dialog hat gezeigt, dass sich mit intelligentem Kapazitätsmanagement (z.B. Blindleistungsbereitstellung und regelbare Ortsnetztransformatoren) die Aufnahmekapazität für Wind- und Solarstrom relativ schnell auf ein Vielfaches steigern lässt. Zudem brauchen wir künftig auch für die Verteilnetz-Ebene regionale Netzentwicklungspläne“, erklärt Dr. Patrick Graichen, Direktor des Berliner Think Tanks Agora Energiewende, der von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation getragen wird. 

Gemeinsame Kernbotschaften des Verteilnetzdialogs sind:

1. Verteilnetze sind kein Hindernis für die Energiewende, dank neuer Technologien steht ein ganzer Werkzeugkasten verschiedener Instrumente zur Steigerung der Aufnahmekapazität für Wind- und Solarstrom zur Verfügung.

2. Die zusätzlichen Kosten für die Ertüchtigung der Verteilnetze mit diesem Ansatz sind überschaubar: Bis 2030 werden sie nur einen Bruchteil der bisherigen Gesamtkosten der Verteilnetze betragen.

3. Um den Einsatz dieser Instrumente zu erleichtern, sollte die Bundespolitik in dieser Legislaturperiode:

  • den Finanzierungsmechanismus der Netze so gestalten, dass die Effizienzpotenziale innovativer Lösungen besser genutzt werden können,
  •  eine langfristige Planung auf allen Netzebenen stärken, unter anderem durch eine transparente, koordinierte Netzentwicklungsplanung für die 110-Kilovolt-Ebene,
  •  prüfen, auf welchem Weg eine gesamtwirtschaftlich sinnvolle Vermeidung von Einspeisespitzen rechtlich ermöglicht und umgesetzt werden kann,
  • prüfen, welche Regelungen notwendig sind, damit programmierbare autonome Regler in Kundenanlagen zur Netzstabilisierung beitragen, und ob elektrische Speicher für den Netzbetrieb eingesetzt werden können.

4. Eine stärkere Systemverantwortung der Verteilnetzbetreiber sowie eine aktivere Rolle der Kunden werden unerlässlich.

5. Vorwiegend leistungsbezogene Netzentgelte auch in der Niederspannungsebene können netzdienliches Verhalten der Kunden anregen sowie eine angemessene Verteilung der Systemkosten gewährleisten.  

Unter den Teilnehmern bestand Konsens, dass bei den folgenden vier Themen der Gesetzgeber gefragt ist:

  • Weiterentwicklung der Anreizregulierungsverordnung
  • Überarbeitung des Systems der Netzentgelte
  • Reform des Marktdesigns
  • Aufbau eines Energieinformationssystems  

Den Endbericht des Stakeholder-Dialogs zu den Verteilnetzen finden Sie untenstehend.