• 22.11.2016

Netzentgelte: Unterschiede nehmen zu

2017 verändern sich die Netzentgelte deutlich: Steigerungen in ländlichen Regionen, Stagnation in den Städten, Trend zu höheren Grundpreisen. Kurzanalyse empfiehlt bundeseinheitliche Entgelte, um Energiewendekosten fair zu verteilen.

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Die Entgelte für die Stromnetze steigen 2017 durchschnittlich deutlich an, entwickeln sich aber sehr unterschiedlich – zum einen im regionalen Vergleich, zum anderen mit Blick auf ihre strukturelle Aufteilung in Arbeits- und Grundpreis. Das zeigt eine aktuelle Kurzstudie im Auftrag von Agora Energiewende. Darin wurden typische Netzregionen in Deutschland beispielhaft betrachtet und die angekündigten Veränderungen der Netzentgelte im kommenden Jahr analysiert.

Dabei zeigt sich, dass ländliche Regionen mit hohem Erneuerbare-Energien-Zubau, insbesondere im Bereich der Windenergie, deutlich steigende Netzentgelte verzeichnen müssen. Städte in Regionen der Übertragungsnetzbetreiber Amprion und Transnet BW halten dagegen ihre bereits jetzt schon niedrigen Netzentgelte weitgehend aufrecht. Dadurch entsteht ein immer größeres Gefälle zwischen den regionalen Netzentgelten. Das führt dazu, dass Stromverbraucher in den teuren Regionen mehr als doppelt so hohe Netzkosten zahlen wie die Stromverbraucher in günstigen Regionen.

Deutlich wurde auch, dass viele Netzbetreiber tendenziell ihre Grundpreise stärker erhöhen als ihre Kilowattstunden-bezogenen Arbeitspreise. Dies wird in der Regel mit einer verursachergerechten Wälzung der netzbezogenen Fixkosten begründet, gerade auch mit Blick auf Solarstrom-Eigenerzeuger. Faktisch werden durch diese Entwicklung jedoch Geringverbraucher viel stärker belastet als etwa Großverbraucher wie Bäckereien.

Zudem erheben die untersuchten Netzbetreiber ausnahmslos keine Grundgebühr für besondere Stromverbraucher (Elektromobilität, Wärmepumpe). Dies ist aus Sicht von Agora Energiewende nicht konsistent, da hierdurch die gleichen, wenn nicht sogar höhere, fixe Netzkosten als in der Standardnutzung anfallen - etwa durch höhere Leistungsspitzen.

Aus energiewirtschaftlicher Sicht sind die wachsenden Unterschiede in Netzentgelthöhen und -strukturen nicht begründbar. "Die Antwort darauf ist, dass man die Netzentgelte bundesweit vereinheitlicht. Dadurch würden die Netzentgelte auf dem Land und im Osten deutlich sinken, in der Stadt und im Westen aber nur leicht steigen. Alles andere ist nicht gerecht, denn es bedeutet, dass die Menschen dort,  wo die Erneuerbaren Energien zugebaut werden, die Netzausbaukosten zu tragen haben, aber diejenigen die den Erneuerbaren-Strom anderswo bekommen nichts zu diesen Kosten beitragen", sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.